Woche 12, 24.-28.4.23
Praktikum in der Kantonsbibliothek Thurgau
Die Woche in der Kantonsbibliothek Thurgau an der Promenadenstrasse 12 in Frauenfeld hat mir erneut ein eigenes Universum eröffnet. Diese Bibliothek ist so viel mehr, als ich mir als "Benutzerin" der Freihandbibliothek vorgestellt habe: Die Kantonsbibliothek ist nicht nur eine Abholstation für Bücher aller Art, sie ist auch ein Ort der Begegnung, der Kultur und Kulturen, des Lernens, der Wissensvermittlung und -verbreitung und nicht zuletzt mit der Thurgoviana eine offiziell vom Kanton beauftragte Sammlerin und Bewahrerin von allem, was im Thurgau, von ThurgauerInnen und über den Thurgau je geschrieben wurde. Das hat mich sehr beeindruckt.
Auf drei Etagen stehen den BenutzerInnen Aufenthaltsräume zur Verfügung, die von Sitzsäcken zu gemütlichen Ohrensesseln über Arbeitsplätze mit Tischen und Stühlen bis zum stillen Lesesaal mit Ladestationen für Computer für Studierende reichen. Im Vortragssaal finden Lesungen und weitere Anlässe statt. Die alten Holzböden geben dem historischen Gebäude eine Würde, die einen zum privilegierten Nutzer dieser Räume macht.








Ich durfte in dieser Woche in alle Bereichen schauen, mich mit den Bereichsverantwortlichen angeregt unterhalten und auch selber tätig sein. Die Digitalisierung hat längst in der Bibliothek Einzug gehalten, alles läuft über digitale Einträge, damit man die Bücher und Schriften auch digital suchen, finden und auch selbständig ausleihen kann. Es sind jedoch viele manuelle Arbeitsschritte notwendig, damit dies dann auch wirklich klappt. Egal ob ein Buch, eine Zeitung, eine Zeitschrift, eine Handschrift, ein Hörbuch, ein Comic, ein Film eine Wanderkarte oder ein Game per Post oder Kurier geliefert wird, es muss digital erfasst werden. Jedes Medium bekommt eine digitale Registrierungs-Nummer und eine sehr genaue Beschreibung. In der Aufbereitung werden eine oder mehrere Bezeichnungen zum Genre, eine Dewey-Klassifizierungsnummer und ein RFID zur Sicherung vor Diebstahl angebracht, wenn sie freihand ausgeliehen werden können. Beinahe alle Medien werden zum Schutz vor Schmutz auch noch foliert. Dies geschieht teilweise maschinell, sehr oft aber auch noch von Hand.
Auch Lieferungen, welche direkt ins Magazin eingereiht werden und nur auf Nachfrage ausgeliehen oder zum Teil auch ausschliesslich vor Ort angeschaut werden können, werden digital erfasst. Dies sind dann meist die raren Stücke oder sehr alte und wertvolle Bücher aus den Sammlungen der Klöster Ittingen, Fischingen oder Münsterlingen, die ebenfalls in den Archiven der Kantonsbibliothek zu finden sind. Ich durfte mit der Stellvertretenden der Leitung Historische Bestände und Sammlungen, im Archiv die historischen Bestände aus der Sammlung Kartause Ittingen anschauen: Ich hatte buchstäblich Tränen in den Augen! So wunderbar erhalten, mitsamt den alten Eisenbeschlägen und Verschlüssen, die Seiten aus Pergament und handbemalt - ein Traum! Und diese Träume füllen viele, viele Regale! Es steht jedermann frei, sich für einen Termin bei der Bibliothek zu melden, um diese Schätze selber anzuschauen. Es wird im 3. Stock des Hauses extra dafür ein Lesezimmer eingerichtet.
Das vielfältige Angebot an Anlässen und die Aufgaben der Bibliothekskommission hat mir der Leiter der Zentralen Dienste und Öffentlichkeitsarbeit erläutert, das umfassende digitale Angebot wurde mir vom Bibliotheksleiter selber näher gebracht. Das ganze Team ist sehr engagiert und durch die durchlässige Organisation sind auch alle Mitarbeitenden in die Entwicklung der Bibliothek eingebunden und involviert in die Abläufe. Es gibt die Abteilungen Zentrale Dienste, Öffentlichkeitsarbeit, Bibliotheksbeauftragter, Medienbearbeitung, Historische Bestände und Sammlungen, IT-Dienste, Benutzung, Finanzen und den Verein Bibliothek der Kulturen.
Alle Mitarbeitenden sind einer Abteilung zugeordnet und zudem verantwortlich für einen Themenbereich des Medienbestandes. Diese Aufgabe beinhaltet die Auswahl der Medien eines Bereichs und deren Bestellung. Bis zur fertigen digitalen Aufnahme und Bearbeitung des Mediums unterstehen diese der Verantwortlichkeit des Sachbereichsleiters/der Sachbereichsleiterin, etwa der Medizin, der Kinder- und Jugendmedien, der Erwachsenen-Belletristik, des Koch- und Gartenbereichs, der Spielfilme etc.
Die Bibliothek der Kulturen ist ein weiterer Bereich, der sich durch die Integration ihres anderssprachigen Bibliotheksbestandes in den Bestand der Kantonsbibliothek hier angeschlossen hat. So finden sich nebst dem grössten Teil an deutschsprachigen Medien auch Bücher (auch für Kinder und Jugendliche) in den Sprachen Englisch, Französisch, Türkisch, Chinesisch, Albanisch, Portugiesisch, Spanisch und einigen mehr. Auch (inter-)kulturelle Angebote gehören ins feste Bibliotheks-Programm. So gibt es regelmässige Lese-Cafés in vielen Sprachen, Autorenlesungen, Spiel- und Geschichten-Nachmittage für Kinder, Kooperationen mit den Schulen Frauenfeld und der Volkshochschule Frauenfeld. Das Angebot ist riesig und wundervoll und abwechslungsreich.
So war auch meine ganze Woche hier - ich bedanke mich sehr herzlich beim ganzen Team der Kantonsbibliothek Thurgau für den umfassenden Einblick in eure Arbeit und die tolle Zeit mit euch!



Viel Vergnügen bei diesen Anlässen!

