Woche 4 - Weekend

Samstag

Die erste Woche ist bereits vorbei - es ist viel, was ich sehe, höre, rieche, erlebe, erfahre, lerne. Darum freue ich mich auf den Samstag, den ich mir einfach zum Verdauen nehme. Ich schlafe lange, esse und lerne ein bisschen Kiswahili. Eigentlich möchte ich noch in die Stadt und mir das National Museum anschauen. Aber es ist plötzlich schon so spät und ich habe keine Lust mehr, mich um ein Uber zu kümmern. Also schaue ich einen Film: "Nairobi Half Man". Eindrücklich wird einem da klar, wie die Lebensrealität in der Kenianischen Grossstadt für Nicht-Reiche aussehen kann.

Um ca. 19:00 fällt plötzlich der Strom aus. Und zwar im ganzen Land. Da ich nicht im Dunkeln sitzen mag, gehe ich früh zu Bett. Am Sonntag habe ich eine Safari im Nairobi Nationalparc gebucht. Um 06:00 soll ich abgeholt werden. Der Strom kommt etwa drei Stunden später in meinem Quartier zurück. Wie ich erfahre, haben andere nicht so viel Glück und bleiben noch länger ohne Stromversorgung. 

Sonntag

Ich schlafe schlecht, erwache viel zu früh. Plötzlich überkommen mich Zweifel, ob ich wohl tatsächlich in meinem Compound, wo ich wohne, abgeholt werden würde, wie vom Veranstalter versprochen. Was, wenn niemand kommt? Ich warte in der Lobby und bin schon das erste Mal sehr froh, als um zehn nach sechs ein Kleinbus vor der Tür anhält und ich einsteigen darf. Es sitzt bereits ein Herr aus London im Auto, bevor wir in den Park reinfahren, gesellen sich noch drei amerikanische Studierende zu uns. Dann geht es endlich los!

Auf staubigen Strassen voller Schlaglöcher holpert der Wagen durch eine unglaublich trockene, bizarr schöne, 117km2 grosse Landschaft, unweit der Stadt. Und bereits nach weniger als einer Viertelstunde sehen wir zahlreiche kleinere Tiere wie Impalas und diverse Vögel. Nach weiteren Minuten stoppt der Wagen und wir können drei junge Löwinnen beim Faulenzen beobachten. Als sich plötzlich die Stimmung ändert, bemerken wir drei Wasserbüffel, die sich den Löwen ungeniert nähern. Die Löwinnen legen sich auf die Lauer - als aber auch nach längerem Warten kein Angriff erfolgt, fahren wir weiter. Es ist unglaublich, was wir in den kommenden drei Stunden erleben: vier der big five kann ich aus einer Distanz von wenigen Metern beobachten. Es ist überwältigend und ich kann es kaum glauben, dass ich in diesem Wagen sitze und all diese Grösse und Schönheit der Natur mit eigenen Augen sehen kann. Die anderen vier Reisenden kehren nach dem Game-Ride müde nach Hause zurück. Für mich geht derweil die Tier-Tour noch etwas weiter. 

Unglaublich, diese Vielfalt an Tieren in diesem stadtnahen Park! Sobald es etwas zu sehen gibt, finden sich plötzlich zahlreich Autos ein. Danach verliert man sich wieder aus den Augen.

David Sheldrick Wildlife Trust: Elefantenwaisen-Auffangstation

Diese Einrichtung kümmert sich um alleingelassene Elefantenkinder unter 2 Jahren, die es allein in der Wildnis nicht schaffen würden. Die meisten der momentan 28 Elefantenkinder haben ihre Mütter wegen der herrschenden Trockenheit verloren. Die Elefantenkühe sind verendet und haben ihre Kleinen zurückgelassen. Einige wurden verletzt zurückgelassen oder mit einer Behinderung geboren und von der Herde ausgestossen, einige verloren ihre Mütter an Elfenbeinjäger. Für all diese Waisen gibt es hier eine zweite Chance. Die Kleinen werden 4-6 mal täglich mit einer Babymilch gefüttert, die nach vielen trials-and-errors zur besten Verträglichkeit für die Elefanten adaptiert wurde.  bDie Elefanten werden gefüttert und gesund gepflegt, bis sie etwa drei Jahre alt sind. Dann werden sie dort, wo sie gefunden wurden, wieder ausgewildert. Noch weitere fünf Jahre lang werden sie dabei begleitet. 

Eindrückliche Geschichten, wundervolle Geschöpfe und ein grossartiges Projekt, das in zweiter Generation weitergeführt wird. 

Giraffe Centre

In dieser Anlage wohnen derzeit 10 Rothschild Giraffen. Das Zentrum wurde 1979 eröffnet mit dem Zweck, die vom Aussterben bedrohte Rothschild Giraffen in einer sicheren Umgebung zu züchten, um sie dann auszuwildern. Ausserdem besteht der Wunsch, den Menschen von nah und fern zu ermöglichen, dem grössten Wildtier auf Augenhöhe zu begegnen. Der edukative Aspekt für die Bevölkerung ist dabei ein weiterer Anspruch, nebst der Möglichkeit für Studierende aus aller Welt, die Wildtiere hier zu beobachten und somit besser kennen zu lernen, um sie effektiv schützen zu können.