Woche 8 - Freitag, 31.3.23
Abreise Lumo Nationalpark, Ankunft Tsavo East
Damit wir das tolle Hotel noch etwas länger geniessen können, fragen wir unsere Fahrer, ob wir ein bisschen später losfahren können. Nach dem Frühstück zeigt uns die Rezeptionistin noch eine weitere Attraktion des Hotels. Ein Tunnel, der unterhalb der Terrasse startet, führt uns, von den Wildtiere unbemerkt, zu einer Beobachtungsstation direkt an einem weiteren Wasserloch. Die Beobachtungszentrale sieht aus wie ein Geheimdienst-Büro, die Bürostühle an den Tischen, die an Fenstern stehen, durch welche man direkt in die Gesichter von Antilopen, Löwen, Gazellen, Affen, Büffel etc. schauen kann. Da es heller Tag ist, sind wir nur Beobachter einiger Vögel am Wasser. Trotzdem ist die Einrichtung und die Idee dafür fantastisch! Wir bereuen gerade noch mehr, nicht noch eine Nacht in dieser tollen Lodge gebucht zu haben.


Trotzdem ist es jetzt an der Zeit, aufzubrechen. Unser Fahrer Edward diskutiert etwas mit Michaela und sie scheint nichtglücklich, jedenfalls reagiert sie etwas unwirsch. Das gefällt mir nicht, denn unsere königlichen Fahrer sind mir sehr wichtig. Sobald wir unterwegs sind, frage ich darum bei Edward nach, worüber er mit der Chefin des Traumhotels am Schluss noch gesprochen habe. Die Fahrer berichten uns, dass sie in diesem Hotel die unwürdigste Behandlung erfahren hätten. Die Unterkunft und das Essen für die Fahrer seien katastrophal und als solches weit herum bekannt unter ihresgleichen. Bereits mehrfach seien sie hier gewesen und hätten jedesmal angesprochen, dass die Schlafstelle unzureichend, kalt und die sanitären Anlagen für Tiere zu schlecht seien. Nichts habe sich indes zum Besseren geändert. Das zu hören, gibt mir sehr zu denken. Das mit Abstand schönste und abenteuerlichste Hotel mit dem fantastischen Essen ist in Punkto Versorgung für die Einheimischen eine unzumutbare Angelegenheit. Ich frage nach, wie es um die Hotelangestellten bestellt sei. Die hätten es auch nicht schön, aber immerhin bekommen die ein anständigen Lohn und Essen. Und wenn die fertig gegessen haben, bekommen die Fahrer ihre Resten. Was?? Da scheint es sowas wie eine Standes-Pyramide zu geben, in welcher die Fahrer ganz zuunterst stehen. Und die Touristen mit Abstand an der Spitze - beides ist für mich sehr unannehmbar! Die kolonialen Zeiten sind für mich vorbei - hier leben sie offenbar noch weiter...Schade, denn der Ort ist ein Traum - für unsere Fahrer leider ein Albtraum.
Grad nicht mehr so traurig, den Lios Bluff zu verlassen, geniessen wir die letzte Fahrt durch den Lumo Nationalpark, bevor wir uns zum Tsavo East aufmachen, unserem letzten Nationalpark-Abenteuer auf dieser Reise. Kurz darauf können wir eine Pumba-Familie (Warzenschweine) beobachten, die sind so lustig! Wir bewegen uns danach nochmals in die Richtung, wo wir gestern die Löwen getroffen haben. Und tatsächlich! Unweit des Schattenbaumes der zwei Löwenmännchen entdecken wir eine Löwin mit einem Jungen. Gerade daneben zwei weitere Löwenmütter mit zwei Jungen. Wir sind sprachlos! Überrascht und freudig und ungläubig beobachten wir, wie die eine Löwin sich aufmacht, sich zuerst erleichtert und dann wartet, dass ihr Kleines ihr folgt. Die anderen folgen den beiden und so können wir miterleben, wie zwei Löwinnen und drei kleine Löwenkinder direkt an unserem Auto vorbeispazieren und sich einen besseren Schattenplatz in einiger Entfernung suchen, wo bereits eine dritte Löwin Ausschau hält nach einer Antilope...Plötzlich lässt uns Henry in eine weitere Richtung blicken. Dort liegen die zwei Löwenmännchen und einige weitere Weibchen. Eines kommt über die ausgedorrte Wiese direkt auf unser Fahrzeug zu. Ganz unaufgeregt geht sie an uns vorbei, so nah, dass wir sie hätten streicheln können. Sie schliesst sich der Karawane aus Löwenmüttern und -kindern an. Ich habe so eine Freude, dass ich das mit eigenen Augen sehen darf! Unglaublich schön!









Nach diesem bemerkenswerten Stelldichein beschliessen wir, nun ziemlich direkt in Richtung Tsavo East Weiterzufahren. Wir verlassen nach gut einer halben Stunde den Lumo Nationalpark und fahren weiter nach Osten. Auf der Fahrt bemerken wir, dass die Häuser in dieser Gegend fester gebaut sind und hier grosse Sisal-Plantagen bewirtschaftet werden. Wir fahren nach der Stadt Voi bis vor das Tor des Nationalparks und nach einer kurzen Pause, in der unsere Fahrer die Formalitäten klären, geht es rein ins nächste Vergnügen.

Kurz darauf begrüsst uns der erste grosse Elefant im Schatten eines Baumes. Das Gelände ist sehr trocken, es hat auch hier schon lange keine kräftigen Niederschläge mehr gegeben. Wir fahren ziemlich direkt zum Hotel, von dem wir im ersten Augenblick ein wenig ernüchtert sind. Die bisherigen Lodges haben sich von mal zu mal verbessert, wobei wir schon auf hohem Niveau gestartet sind im Serena Amboseli. Wir vergewissern uns aber bei unseren Fahrern, dass sie hier gut untergebracht sind, und so fällt es uns auch leichter, einen "Komfort-Rückschritt" in Kauf zu nehmen gegenüber der letzten Unterkunft, zugunsten einer viel Besseren Verköstigung und Unterbringung unserer Fahrer.
Auf den zweiten Blick und nach dem zweiten Game-Drive durch den Park am Nachmittag sind wir ganz happy, hier angekommen zu sein. Die Landschaft ist meist flach und trocken, es gibt viele Termiten-Burgen und dürre Büsche. Viele verschiedene Tiere versammeln sich an den spärlichen Wasserlöchern, die zum Teil über eine windbetriebene Pumpe mit Grundwasser versorgt werden. In einem Teil des Gebietes scheint es dann ein wenig fruchtbarer zu sein, in der Regel würde hier auch ein grosser Fluss fliessen und es gibt sogar Totholz-Zeugen von früheren Überschwemmungen. In diesem Gebiet leben mehrere grosse Elefantenherden. Es ist ein Genuss, diesen wunderschönen, sozialen Geschöpfen zuzuschauen. Ausserdem sind hier die typischen afrikanischen Akazien zu finden, in denen ab und zu auch ein Giraffenkopf auftaucht. Und das Gebiet sei sehr beliebt bei den Leoparden, erzählt uns Henry. Unser Wunsch wäre es natürlich, noch Leopard und Gepard beobachten zu können. Da diese Tiere äusserst scheu und auch selten anzutreffen sind, halten wir zu fünft Ausschau danach auf den tieferen Ästen und unter schattigen Büschen. Leider sind wir auf diesem Drive keiner Katze begegnet. Wir versuchen unser Glück morgen nochmals! Von der Zimmerterrasse aus haben wir einen direkten Blick auf den Abend-Schlummertrunk der Elefanten am Wasserloch - das ist wundervoll und animiert uns dazu, uns selber auf der luftigen Terrasse der Hotelbar einen Apéro vor dem Dinner zu genehmigen.