Woche 7 - Montag, 20.3.23

Heute bleibt die Schule geschlossen. Politische Unruhen und angekündigte Proteste in Nairobi, vor allem aber in den Brennpunkt-Stadtteilen wie Kibra, können rasch gewaltvoll und gefährlich werden. Da die Schule kein Risiko für die Schülerinnen und Schüler eingehen will, wurde schon am Mittwoch erklärt, dass der Mid-Term-Break um einen Tag verlängert werden wird. Meine Vermieterin und auch der Direktor der Schule haben mich heute per WhatsApp nochmals dringend daran erinnert, nicht aus dem Haus zu gehen. Im Internet kann ich verfolgen, was in der Stadt passiert. Es gibt eine Gruppe aus der Opposition, die das Kenyatta Convention Center stürmen. Die Polizei setzt Tränengas ein und in Kibra gibt es Verfolgungsjagden von Polizei und Demonstrierenden. Auch in Kitale, wo wir vor zwei Tagen noch im Museum waren, gibt es Polizei-Einsätze gegen Demonstrierende. Es macht mich nachdenklich und traurig, dass Konflikte nicht mit anderen Mitteln geklärt werden können. Die Lebenshaltungskosten in Kenia sind rasant gestiegen, die Inflation ebenso. Es hat lange nicht geregnet, die Menschen fürchten um ihr Überleben - und natürlich ist daran die Politik wohl nicht unschuldig. Gehört zu werden, wenn man nicht einverstanden ist mit der Führung, finde ich auch wichtig. Und doch darf diese Unzufriedenheit nicht in so aufgeheizte und gefährliche Aktionen münden, wie sie heute hier der Fall sind. Da gibt es keine Gewinner.   

Jedenfalls gehe ich hier kein Risiko ein und bleibe zuhause. So habe ich heute Zeit, mich meinem Tagebuch und dem Sortieren der vielen Fotos aus dem vergangenen verlängerten Wochenende zu widmen. 

Ich freue mich aber sehr, morgen wieder in der Schule zu sein. Back to normal - hoffe ich jedenfalls.