Woche 4 - Mittwoch, 1.3.23



Nach einer erholsamen Nacht bin ich heute frisch für einen weiteren Einsatz in der Schule. Nach dem Eintreffen in der Schule gibt es dann auch schon die erste Überraschung: Ich darf in der 5. Klasse die Englisch-Lektion übernehmen. Wie schon fast gewohnt, ohne Vorbereitung. Das Thema ist "Good manners". Wir sprechen in der Klasse ein bisschen darüber, was das bedeutet, gute Manieren zu haben. Sehr schnell kommen einige gute Beispiele wie den Eltern gehorchen, sich bedanken, respektvoll sein und freundlich sowie beten vor dem Essen. Die Religion spielt hier in Kenia eine wichtige Rolle, auch in der Schule wird vor der Mittagspause in der Klasse gebetet .
Als wir darüber sprechen, wo wir uns schon unhöflich oder respektlos benommen haben, sind die SchülerInnen sehr offen und erzählen dies und das. Ich bin nicht sonderlich erstaunt, als ich höre, dass einige schon gestohlen haben. Auf die Frage, was sie denn genommen hätten, ist bei allen die Antwort "food".
Im Anschluss ans Englisch assistiere ich in der Computer-Klasse. Die 4. KlässlerInnen lernen das 10-Finger-System kennen und üben sehr beflissen mit dem Programm TWrite auf den sechs Schulgeräten. Natürlich sind da auch SchülerInnen zu zweit an einem Computer. Aber hier gilt: Sharing is Caring! Teilen heisst, sich zu kümmern!
Vor der Pause gibt es eine weitere Überraschung: Eine ehemalige Volontärin der Schule hat Lebensmittel für das Mittagessen in der Schule für einen Monat gespendet. Eine Film- und Fernsehproduzentin hat sich an der Spende beteiligt. Zum Dank dafür wird eine kleine Präsentation der SchülerInnen dargeboten. Die Poetry-Group und die Tanzgruppe zeigen, was sie drauf haben.
Nachdem sich die Besucher verabschiedet haben, treffe ich mich mit Teacher Daniel, um meinen Stundenplan zu erstellen für die nächsten Wochen. Das wollen wir schon seit Montag machen, und haben es noch nicht geschafft. Da taucht aber der Schulleiter auf und möchte mich sprechen. Also verschieben wir das mit dem Einsatzplan wieder und es wird mit Überraschungs-Einsätzen weitergehen. So langsam gewöhne ich mich ja auch daran...
Headmaster Jeremiah möchte mit mir über den Tätigkeitsbereich der Heilpädagogin sprechen. An der Schule gibt es bislang keine Person, die klassenübergreifend für Kinder mit Lernschwierigkeiten eingesetzt ist. Jeremiah interessiert sich sehr dafür, in welcher Form diesen Kindern Unterstützung zukommen kann. Er denkt, dass es sehr wertvoll ist, eine solche Stelle in der Schule zu besetzen, könnte sich auch vorstellen, diese Person gerade selber zu sein. Wir werden weiter darüber sprechen. In den kommenden Tagen werden wir das Teamteaching ausprobieren, indem ich ihn und seine 8. KlässlerInnen in Englisch unterstütze. Ich bin selber auch gespannt, wie das funktionieren wird.
Ich habe gestern beschlossen, mir den heutigen Nachmittag frei zu nehmen, um das ganze Abenteuer hier ein wenig zu entschleunigen. Es sind sehr viele Eindrücke, die es auch zu verarbeiten gilt. Ausserdem möchte ich gerne eine Einkaufstour für Lebensmittel machen. Ein UBER bestellen, wird dafür nötig sein. Auch das manage ich hier zum ersten Mal. I learn a lot. Und es kann sein, dass sich hier immer öfter Anglizismen einschleichen. Da ich den ganzen Tag Englisch spreche, fallen mir bisweilen jetzt schon die Wörter nicht mehr auf Deutsch ein!