Tag 2, 22.5.2023

Stadterkundung II

Heute startet der Tag nicht so früh wie gestern! Nach einem ausgiebigen, erfreulich reichhaltigen Frühstück im Hostel machen wir uns mit der Tube auf zum Tower Hill. Wir sind nun schon sehr erfahren mit der U-Bahn-Fahrerei. Für jede Fahrt übernimmt ein anderes Team aus der Schülerschaft den Lead, damit wir alle früher oder später mutig vorausgehen und die richtige U-Bahn in die richtige Richtung wählen können. Das klappt wirklich gut! Zum Teil sind die Gleise weit unter der Erde, entsprechend steil sind auch die Rolltreppen, die uns dahin bringen. Wir staunen! Und weil entlang der Wänden in die tiefen der Tube oft Plakate der gängigen Musicals hängen, treffen wir auch immer mal wieder auf Elsa! Dann schallt es von unseren SchülerInnen lauthals "Let it go, let it gooooooo" - analog zum Titelsong von Frozen! 

Weil wir noch etwas zu früh am Tower sind, ist das Ticket Office noch nicht geöffnet: Zeit, für eine Tageschallenge! Wir wollen, dass die SchülerInnen Passanten zu ihren Geheimtipps zu besuchenswerten Orten in London befragen. Das klappt super - die Menschen sind sehr freundlich und geben gerne Auskunft. An einem Touristen-Magneten wie dem Tower findet eine Gruppe girls zwei Damen, mit denen sie sich angeregt auf Englisch unterhalten, bis alle fünf plötzlich laut lachen. Die Konversation geht munter weiter- mich nimmt's Wunder, was die Damen so zu lachen haben: Und was hört mein Öhrchen? Deutsche Sprache!! Ich klinke mich kurz ins Gespräch ein und erinnere daran, dass dieses Gespräch auf Englisch stattfinden sollte. Da lachen wieder alle und klären mich auf, dass sie genau das die ganze Zeit getan hätten, bis sie schliesslich merkten, dass alle fünf ja auch Deutsch sprechen könnten miteinander! Darum haben die so gelacht! Das ist ein sehr schönes Beispiel dafür, dass sich unsere Jugendlichen wirklich in Englisch unterhalten können, sogar mit deutschsprachigen GesprächspartnerInnen!

Endlich hat die Lehrerin die Billette bekommen. Wie könnte es auch anders sein: Genau bei ihr ist die Ticket-Maschine auseinander gebrochen und die ganze Gruppenbestellung, deren Tickets e-i-n-z-e-l-n ausgedruckt werden müssen, musste nochmals von vorne angefangen werden! Inzwischen ist die Schlange der BesucherInnen unendlich weit nach hinten gerückt, wir müssen fast wieder an der Tube-Station anstehen! Aber es geht dann schnell vorwärts und wir gelangen guten Mutes zu den Kronjuwelen der Englischen Monarchie. Spannend zu sehen, welche Krone unlängst der neue König Charles III getragen hat!

Nach ein bisschen Expeditionszeit im Tower treffen wir uns vor dem Gebäude und machen uns zu Fuss auf, über die Towerbridge entlang der Themse in Richtung Borrow Market. Dort wollen wir etwas Zmittag essen. Leider ist der Markt genau am Montag nicht geöffnet - so finden wir uns in einer wunderschönen offenen Markthalle mit vielen geschlossenen Marktständen und keinem Angebot. Nun denn. In der Umgebung finden sich trotzdem viele kulinarische Angebote. Wir Erwachsenen entscheiden uns für tolle Burger in einer kleinen Strassenbeiz. Die Jugendlichen, so erfahren wir später, sind glücklich geworden mit McDonalds-Burgern! Basicly the same - but different! 

Nach dem Mittagessen fahren wir mit der Tube zum Covent Garden. Dort geben wir den Jugendlichen (und uns) ein bisschen Zeit zum Rumgucken und Shoppen. Es gibt in diesem Quartier tolle Second Hand-Geschäfte und tatsächlich ergattern sich die einen und andern ein Schnäppchen.
Weil wir merken, dass wir gar nicht allzuweit vom British Museum entfernt sind, beschliessen wir, den Weg zu Fuss zurückzulegen. Ich finde sehr toll, dass die Jugend ohne Murren mit uns durch Londons Hip-Quartier spaziert, zum Teil auch trotz beträchtlicher Blasen an den Füssen! Im British Museum angekommen, dürfen die SchülerInnen auf eigene Faust erkunden, wonach ihr geschichtlicher Sinn steht. Die Ägypter- , Afrika- und Fernost-Ausstellungen sind beeindruckend!

Nach dem Besuch im Museum schlagen wir den Jugendlichen vor, über die Oxford Street ins Chinatown zu spazieren. Zur nächsten Tube ist es auch ein Stück zu Fuss, das Argument zieht und so sind wir wieder per pedes unterwegs. Die Anzahl Schritte pro Tag liegt dann jeweils auch bei beachtlichen 20'000-25'000!

Die Oxford Street ist im Vergleich zur Bahnhofstrasse Zürich noch voller und gesäumt mit Geschäften aller grosser Marken. Ein Souvenirshop am andern quetscht sich in das noble Angebot - unsere Kids ergreifen die Gelegenheit und decken sich mit Mitbringseln für die Daheimgebliebenen ein. Wir treffen sie wieder an der Ecke zum Chinatown. Dort finden wir nach kurzer Zeit ein Restaurant, wo wir alle an einem runden Tisch Platz finden und uns so richtig satt essen mit gebratenem Reis, Nudeln, Ente und viel Gemüse! Das Essen ist toll, die Stimmung top! 

Da es riesige Portionen sind, können nicht alle alles aufessen. Wir lassen uns die Reste einpacken und verschenken die Köstlichkeiten an obdachlose Menschen, die wir auf dem Nachhauseweg antreffen. Diese Leute sind so dankbar, dass einigen von uns direkt die Tränen in die Augen schiessen. 

Ein weiterer voller Tag geht zu Ende. Schade eigentlich, dass morgen schon wieder Abreisetag sein wird. Mit dieser Reisegruppe ist die Zeit hier nie langweilig, im durchwegs positivsten Sinn!