Woche 7 - Mittwoch, 22.3.23
Heute ist ein ziemlich unspektäkulärer Tag - denke ich zumindest und werde einmal mehr aufs Positivste eines besseren belehrt! Am Morgen verbringe ich Zeit in der dritten und vierten Klasse, die Kinder lieben es, wenn ich bei ihnen vorbeikomme. Es entsteht so etwas wie ein Wettbewerb, auch unter den Lehrpersonen. So spricht mich etwas Teacher Jane an, ob ich sie und die PP1 vergessen hätte, denn ich sei nicht oft bei ihnen gewesen. Ich verspreche Besserung und eile weiter in die nächste Klasse. Ich habe auch hier, wie in meiner Schule zuhause, den Ruf, überall gleichzeitig zu sein. Es ist mir einfach wohl, wenn ich so viel wie möglich teilnehmen, mitnehmen und weitergeben kann - das ist es doch, worum es mir hier und im Bildungssemester insgesamt geht!
In der 6. Klasse unterrichte ich die ersten Kennenlern-Dialoge in Deutsch. Die Kinder lesen die Wörter schnell richtig von der Tafel ab und notieren sich die Dialoge in ihren Heften. Dann geht der Spass los. Immer zu zweit werden die kurzen Konversationen geübt, es ist ein Riesenspass und es wird viel gelacht. Am Schluss nehme ich die Gespräche auf. Und das tönt dann so:
Am Mittag kommt die zweite Gruppe für das Coaching. Es sind alles Kinder aus der 4. Klasse, fünf Jungs und drei Mädchen. Teacher Lydia ist nebst Teacher Bella und dem Schulleiter Jeremiah auch dabei heute. Es ist schön, wie interessiert die Lehrpersonen sich zeigen für diese neue Unterrichts-Erweiterung. Die Kinder haben ein sehr kleines Allgemeinwissen, sie lesen zwar, können aber keine eigenen Erfahrungen mit dem Text verknüpfen, den sie lesen. So ist es für sie schwierig, eigene Bilder für das Gelesene zu produzieren. Der Text bleibt so uninteressant und leer für sie. Die fehlende Lesegeschwindigkeit erschwert zusätzlich, den Fluss und die Kohärenz des Textes aufrecht zu halten. Da gibt es viel zu tun, das sehen auch die Lehrpersonen und sind deshalb sehr froh, dass sich diesbezüglich nun ein Programm etabliert. Vor allem in Englisch sind grosse Probleme ersichtlich. Da jedes Trimester keniaweite End-of-Term-Testings anstehen für alle Klassen, die alle in Englisch verfasst sind (ausser Kiswahili-Tests, natürlich), ist es eine zusätzliche Hürde für die langsamen Lernenden, wenn sie nur stockend lesen und nicht verstehen, was sie lesen.

Am Nachmittag sind wir eingeladen, die 8. Klasse und eine Delegation der Lehrpersonen zu einer Partnerschule zu begleiten, um die Testresultate der Schülerinnen und Schüler abzuholen. Diese 8. KlässlerInnen gehören zum letzten Jahrgang, der noch nach dem alten Schulsystem 8-4-4 nach der 8. Klasse abschliessen werden. Das erste Trimester ist vorbei und so sind die Resultate nun veröffentlichbar. Nach diversen Reden und Vorstellungsrunden der anwesenden Lehrpersonen und SchülerInnen, ging es, wie bei einer Rangverkündigung, der Reihe nach von der Schülerin mit den wenigsten zu dem Schüler mit den meisten Punkten. Erfreulicherweise haben die Schülerinnen und Schüler der Watu Moja Lee Academy in der vordersten Gruppe der zwei Schulen mitgehalten. Im landesweiten Vergleich gibt es aber noch reichlich Luft nach oben. Von den 500 möglichen Punkten, hat der beste Junge 331, das beste Mädchen 291 Punkte erreicht. Beide Jugendlichen sind unsere Schüler!

