Woche 8 - Mittwoch, 29.3.23
Abreise Amboseli, Ankunft Tsavo West
Das Serena Hotel im Amboseli Nationalpark verwöhnt uns mit einem üppigen Frühstücksbuffet, das wir jedoch, noch voll vom Abend zuvor, gar nicht so richtig ausschöpfen können. Eigentlich wäre ein früher Game-Drive um 6 Uhr geplant gewesen. Doch weil irgendetwas am Bremssystem unseres Wagens kaputt ist, bittet uns Edward, erst um halb neun/neun loszufahren, damit der Schaden noch repariert werden kann. Wir treffen die beiden Fahrer beim Kaffee - sie sind, wie wir auch, morgens um drei Uhr aufgestanden. Allerdings nicht um die Tiere am Wasserloch zu beobachten, sondern um in der nächsten Stadt ein Ersatzteil zu kaufen, das sie nun im Motor eingebaut haben. Diesen Einsatz wissen wir sehr zu schätzen! Für Henry und Edward ist unser Wohl und ungetrübtes Safari-Erlebnis das höchste Gut.
So fahren wir denn los, Richtung Tsavo West Nationalpark. Auf dem Weg dahin unternehmen wir nochmals einen Game-Drive im nun schon etwas bekannten Amboseli-Gebiet. Gerne würden wir noch einen Geeta (Gepard) oder Lepard (Leopard) sehen. Das Glück beschert uns nochmals eine spektakuläre Sicht auf den Kilimandscharo samt zwei Elefanten und einigen Giraffen davor - ein Bild wie im Reiseprospekt! Plötzlich meint Henry, etwas gesehen zu haben. Langsam zieht Edward den Wagen rückwärts. Tatsächlich: In Stecknadelkopfgrösse lassen sich zwei liegende Leoparden ausmachen, weit hinten zwischen den Büschen, mit meinen Augen wirklich nicht sichtbar! Umso erstaunlicher für mich, was Henry und Edward, sogar während sie fahren, entdecken können!




Da es in der Nacht geregnet hat, sind die Wege im Park ziemlich überschwemmt und das Durchkommen teilweise schwierig, um nicht zu sagen fast unmöglich. Nicht so für King Edward und seinen Land Rover! Mit Schuss brettern wir durch die Wasserlöcher, dass es links und rechts nur so spritzt. Die Tiere sind dankbar für den Niederschlag - er müsste einfach noch ein bisschen anhalten! Die ersten zarten Blättchen spriessen aus den Ästchen und von Weitem sieht das schon aus wie ein hellgrüner Flaum über allen dürren Büschen und Bäumen. Ein bisschen Frühlingsstimmung auch für uns hier in Afrika!

Wir verlassen den Amboseli Nationalpark und bewegen uns in Richtung Tsavo West Nationalpark. Dieser ist eher bekannt für seine Löwen und auch ein Reservat für Nashörner gibt es inmitten des riesigen Parks (ca. 9000 Qadratkilometer gross).
Die Landschaft und der Kilimandscharo ziehen an uns vorbei, wir geniessen das Päuschen vom Ausschauhalten und dann sind wir auch schon beim Eingang des neuen Parks angelangt.
Unsere Fahrer klären die Zugangsbedingungen und bezahlen die Eintrittsgebühren, die zwischen 120 - 250 Dollar betragen. Nach einer kurzen Biopause geht es weiter mit dem nächsten Game-Drive, bis wir beim Hotel ankommen. Die Landschaft ist stärker bewachsen, mit Büschen, Gräsern, Schirmakazien, Baobabs und anderen Bäumen. Es ist aber auch hier sehr trocken und wir begegnen vielen verendeten Tieren. Besonders traurig sind die Skelette unter den Bäumen. Die Tiere haben sich in deren Schatten geflüchtet uns sind dort gestorben vor Durst. Die anhaltende Dürre (bzw. der nur sehr spärliche Regen) bringen sichtbar viele tierische Opfer hervor und auch die Menschen leiden unter diesen Verlusten!
Plötzlich eröffnet sich uns ein Blick auf eine Elefantenfamilie, gut versteckt in den Bäumen. Henry ist nicht so sehr erpicht darauf, hier lange für Fotos zu verweilen. Er weiss aus Erfahrung, dass die "roten Elefanten" sehr agressiv sein können, vor allem wenn Jungtiere dabei sind. Er selbst hat miterlebt, wie ein Elefantenbulle ein Safari-Auto geschubst hat, bis es umgekippt ist - erst dann ist die Sippe weitergezogen. Das wollen wir natürlich nicht unbedingt erleben und so werden die Fotos unscharf, weil Edward bereits wieder Gas gibt!
Kurze Zeit später eröffnet sich uns der Blick auf wieder eine komplett andere Szenerie. Die Erde ist schwarz und hart - wir sind mitten auf einem Feld erkalteter Lava. Der Vulkan ist vor ca. 200 Jahren ausgebrochen, jedoch ist die Lava nicht aus einem Berg gespuckt worden, sondern hat sich aus Erdspalten sprudelnd über eine weite Fläche ausgebreitet und ist so erkaltet. Die Landschaft ist bizarr, irgendwie sehr düster, irgendwie aber auch sehr geheimnisvoll und auf ihre Art schön.



Auf dem weiteren Weg begegnen uns Oryx, Zebra, Giraffe und Wasserbüffel. Die Tierwelt hier ist zum Staunen und so nah - die Zebras und Giraffen kreuzen unseren Weg und spazieren vor uns her, ohne sich gross stressen zu lassen.
Das nächste Ziel ist Mzima Springs. Das ist eine Quelle von Trinkwasser, welche die ganze Umgebung bis runter nach Mombasa mit Wasser versorgt. Aus der Quelle speist das Wasser auch einen kleinen See, in dem Nilpferde und Krokodile wohnen. Diese Tiere dürfen wir ebenfalls besichtigen, bekommen dafür aber einen bewaffneten Guide mit auf den Weg. Selbst eine Unterwasser-Beobachtungsstation gibt es hier, leider können wir in dieser Tauchglocke nur Fische sehen. Die Nilpferde und ein Krokodil baden weiter unten im kleinen Tümpel. Wir können sie von der Plattform aus aber gut beobachten.




Mzima Springs mit dem Warnhinweis und dem Begleitschutz.


Unterwasser Beobachtungsstation - ein bisschen wie bei Jules Verne


Hippos und Krokodile in wunderschöner Zweisamkeit...


Ausblick aus dem Hotelzimmer und Abendstimmung beim Wasserloch
Kurz nach dem Mittag kommen wir nach diesen reichen Eindrücken im Hotel an. Es ist wieder ein Serena Hotel, mit dem wir schon am letzten Ort sehr zufrieden waren. Wir freuen uns über unsere schönen Zimmer mit direktem Blick zum Wasserloch, wo sich am Abend die wilden Tiere zum Trinken versammeln werden. Wir sind gespannt! Zuvor besuchen wir auf dem zweiten Game-Drive des Tages aber noch das Ngulia Nashorn-Schutzgebiet innerhalb des Tsavo West Nationalparks. Mit etwas Glück können wir hier die vom Aussterben bedrohten Black Rhinos oder Spitzmaulnashörner beobachten.
Der Park ist riesig und leider haben wir kein Glück. Die Black Rhinos sind sehr scheu und können sich im 9000 Quadratkilometer (!) grossen Gelände sehr gut verstecken. Wir versuchen es gegen 17:30 Uhr an einem Wasserloch. Da der Park nur von 16-18 Uhr für Besucher geöffnet ist, wird das der letzte Versuch sein, ein Black Rhino zu sehen. In der freien Wildbahn ist es nämlich noch viel seltener, eines zu sehen. Am Wasserloch stehen bereits einige andere Safari-Mobile mit interessierten BesucherInnen. Leider zeigt sich kein Nashorn, dafür kommt ein grosser Elefantenbulle dahergetrottet und genehmigt sich genüsslich eine ausgiebige Dusche, bevor er trinkt und dann zufrieden wieder davonspaziert. Wir verlassen den Park und fahren zum Hotel zurück. Auf der Rückfahrt ist uns ein spektakulärer Sonnenuntergang vergönnt. Der Kilimandscharo zeigt sich von dieser Seite nicht weniger attraktiv und die Farben des Himmels wirken nicht von dieser Welt! Bei einem Sundowner erholen wir uns von der erschlagenden Schönheit der Erlebnisse dieses Tages, bevor wir uns zum Dinner frisch machen und den Tag beschliessen.



