Woche 22, Stadterkundung III und Heimreise

Stadterkundung III: Das zweite Wochenende

Den Samstag verbringe ich mit Ausschlafen, Zmörgele, lesen: Irgendwie komme ich nicht so richtig in die Gänge... die ganze Woche haftet sich mit Müdigkeit an mich. Um halb drei am Nachmittag raffe ich mich jedoch auf, doch noch einen Spaziergang zu unternehmen. Ich möchte nochmals zum Gulbenkian-Museum gehen, dort war ich am Dienstag schon, da war das Museum jedoch geschlossen. Der grosse Park rund um das Museum war aber den Besuch damals schon Wert! Und heute sollten in eben diesem Park Konzerte gespielt werden, zu denen die  Bevölkerung kostenlosen Zugang hat. Das würde sich also doppelt lohnen! 

Die Ausstellung zur Geschichte der Sammlung ist interessant und mit Werken aus allen Zeiten und Genres untermalt. Die Wechselausstellung zu japanischen Briefmarken lasse ich aus, aber die Giacometti-Ausstellung natürlich nicht! Die ist grossartig, vor allem die kleinen Werke sind in einer für mich noch nie erlebten Weise ausgestellt. Ob hinter einer Löcherscheibe, in einem Dunkelraum oder unter einer beleuchteten Rondelle: Die Werke kommen sehr schön zur Geltung und haben eine grosse Kraft in ihrer Winzigkeit. Berührend. 

Nach dem Besuch der Ausstellung begebe ich mich entlang der Klangkulisse zum Amphitheater, wo pop- und soulige Klänge ertönen. Ich setze mich auf die steinerne Treppe, die an den Schattenplätzen schon sehr gut gefüllt ist und lausche der Musik. Die Leute sind voll dabei, singen mit, klatschen und beim letzten Lied werden wir vom Sänger aufgefordert, aufzustehen und zu tanzen. Das ist so cool - alle machen mit und ich mittendrin! Es ist so einfach, sich in Lissabon zugehörig zu fühlen!

Am Sonntag früh mache ich mich auf zum Praça dos Restauradores. Dort treffe ich mich mit anderen Reisenden zu einem Ausflug nach Sintra und Cascais. Zuerst wollte ich auf eigene Faust diese Tour unternehmen. Da ich aber eher spontan unterwegs bin und der Besuch des Pena Palastes einige Logistik erfordert, habe ich mich für eine geführte Tour entschieden. Mit einem Minibus fährt Tiago uns acht TouristInnnen, sieben aus den USA und mich, also nach Sintra. Es ist eine unterhaltsame Fahrt und die Gruppe gut gelaunt. Der Palast ist atemberaubend schön, kunterbunt und ein bisschen wie ein Märchenschloss mitten im botanischen Garten. 

Ein mystischer Nebel umfängt das Schloss - eine eigene Klimazone! Sie sorgt auch für das Gedeihen von über 180 Baumarten von überall auf der Welt im botanischen Garten, der das Schloss umgibt. 

Nach diesem ersten Highlight, das zeitig zu besuchen ist, da sonst die Warteschlangen vor dem Eingang unendlich und die Parkmöglichkeiten immer geringer werden, fahren wir runter ins Städtchen, wo wir eine halbe Stunde Zeit haben für Fotos und einen Streifzug durch die engen, malerischen Gässchen. Der Ort ist sehr touristisch und ich bin froh, dass wir bald weiterfahren. Die nächste Station ist zu meiner Überraschung ein Halt in einem "autentischen portugiesischen Restaurant" für das Mittagessen. Dieses ist jedoch ausgesprochen fein und die Stimmung wird nach ein paar Gläsern Wein immer entspannter! Die Fahrt geht nach dem Dessert und Kaffee weiter zum westlichsten Ende Europas, dem Cabo da Roca. 

Ein eindrücklicher Ort mit steil abfallender Küste und dem Leuchtturm, der Weite des Atlantik und dem schäumenden Wasser: Ich spüre die Kraft dieser Wellen und des Wassers. Die Ehrfurcht vor dem Mut der portugiesischen Seefahrer und Entdecker, in diese unbekannte Welt hinauszusegeln, ist an diesem Ort grösser denn je. 

Den Abschluss der Tour machen wir in Cascais, der Miami-Beach von Portugal, wie uns Tiago erklärt. Der Ort hat mit seinen Flair tatsächlich etwas Mondänes, aber mir ist das schon wieder ein Ticken zu viel Kitsch und Quatsch für Touristen. Der kleine Strand ist voll und die Strassenränder gesäumt von parkierenden Autos. Dass wir nur 20 Minuten Foto-Zeit haben hier, kommt mir deshalb gerade gelegen. Trotzdem ist es schön, einen Augenschein vom Meer zu bekommen in dieser so anderen Erscheinung als am Cabo Da Roca. Das Wasser scheint ruhiger hier, Segelschiffe tummeln sich im Wasser und auch das ist ein schönes Bild. 

Tiago fährt uns zurück nach Lissabon und mit dem Bus fahre ich hoch zur Estrela. Ich bin müde, aber die Fahrt hat sich sehr gelohnt. Ich würde den Ausflug jedem empfehlen, der einen Tag vom Lissabon-Aufenthalt entbehren kann!